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Stéphanie Pierre

Als Kind wollte ich - im Gegensatz zu meiner älteren Schwester Virginie - nicht unbedingt Glasbläserin werden. In den Sommermonaten spielte ich gerne in der Werkstatt - die Pappbrote und Pappkuchen in meiner Gelegenheits-Backstube waren legendär und wurden von meinem Großvater, meinen Eltern und den Arbeitern genüsslich verzehrt. Aber da hörte es für mich auf. Während meine Schwestern einfach unglaublich kreativ sind und die niedlichsten Dinge zeichnen, nähen und basteln können, kam ich mit zwei linken Händen auf die Welt.

Meine Passion waren und sind Sprachen. Deshalb habe ich mich nach der Sekundarschule für ein Studium der Dolmetscherei entschieden. Mit 22 Jahren hatte ich einen Masterabschluss in der Tasche und beherrschte fünf Sprachen. Aber ich fühlte mich noch nicht bereit für den Arbeitsmarkt. Also entschied ich mich für eine Teilzeitbeschäftigung im Familienunternehmen, wo man Hilfe in der Verwaltung brauchte. Auf diese Weise behielt ich mir die Möglichkeit vor, einige Kurse zu belegen. Nach einem Jahr begann ich, neben meiner Arbeit in der Glasbläserei, auch Sprachunterricht zu erteilen. Auf diese Weise lernte ich einerseits das Innenleben eines Unternehmens kennen. Andererseits habe ich gemerkt, dass ich ein gutes Maß an Sozialkompetenz besitze und diese auch hierdurch weiter ausbauen konnte.

Lange Zeit war dies eine ideale Kombination. Aufgrund der wachsenden Verantwortung wurde die Arbeit vielfältiger und konnte ich mein technisches Verständnis weiterentwickeln. Da sich in der Zwischenzeit auch herausgestellt hatte, dass ich ein starkes Organisationstalent habe, entschied ich mich schließlich für eine Vollzeitstelle bei Pierreglas. Währenddessen wurde aufgrund des Ehrgeizes meiner Schwestern deutlich, dass sie das Unternehmen fortführen wollten. Dies gemeinsam mit ihnen tun zu wollen, erschien mir die natürlichste Sache der Welt.

Die Tatsache, dass ich so eng mit meiner Familie zusammenarbeite und dafür sorge, dass sie sich voll und ganz der Produktion widmen können, indem ich mich um alles kümmere, bedeutet, dass ich meine Rolle in der Glasbläserei voll und ganz gefunden habe, auch wenn ich niemals als Glasbläser arbeiten werde.